Lady Amanzia
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Lady Amanzia


Geboren in:


Nation:

Klasse:

Alter:

Vermutlich Alt-
Ascalon

Tyria

Nekromantin

21


Story: Ein Leben für Grenth

Ihr fragt nach meinem Namen? Ich kenne ihn nicht... Ich muss ihn wohl vergessen haben. Man nennt mich Lady Amanzia.

An meine Kindheit erinnere ich mich kaum… >>Die Seele verdrängt die schrecklichsten Dinge um weiterexistieren zu können…<<, sagte einst eine Mönchin zu mir… Nur frage ich mich, was kann noch schlimmer sein, als das an was ich mich noch erinnern kann…

Ich sehe diesen Raum noch immer genau vor mir. Ich sage Raum… in Wirklichkeit war es ein Erdloch, aus dem von allen Seiten Wurzeln wuchsen. An diesem Ort an dem habe ich zwölf Lebensjahre verbracht. Jeden Moment voller Angst… Angst vor ihm… Es war ein Dreckloch, feucht, klamm… verunreinigt von Unrat und schmieriger Erde. Aber es war mein Zuhause. Zu dem Zeitpunkt kannte ich nichts. Nichts außer diesen Raum und seine Hütte… Hier war ich sicher hier fühlte ich mich geborgen. Denn alles was mir außerhalb dieses Raumes erfahren ist, war schrecklich, schmerzhaft oder pervers… Ich hoffte jedes Mal, wenn ich die knarrende Treppe, die hinab zu meinem Raum führte, hörte, dass er mich dieses mal nicht mit nach Oben nahm. Er sollte das Essen abstellen und wieder verschwinden! Ich würde es nicht ein weiteres Mal ertragen, dachte ich… Aber das dachte ich bei jeden Mal…

Sind meine Erinner
ungen an diese Zeit auch schlecht und voller Lücken, an jenen Tag erinnere ich mich noch sehr gut… Er hatte schon wieder vergessen etwas zum Essen zu bringen. Nun, das geschah ab und an mal, aber dieses Mal war es schon lange her. Mein Magen schmerzte schon, und ich schlich mich an die Tür um zu lauschen. Als ich meinen Kopf dagegen lehnte, gab die Tür nach – sie war offen… Ich hatte Angst vor allem was hinter dieser Tür war, und so kauerte ich mich in meine Ecke, und bedeckte mich so weit es ging mit den Leinenfetzen die mir als Decke dienten…

Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war – Zeit war damals noch ein unbekannter Begriff für mich… Doch irgendwann gewann der Überlebensinstinkt in mir die Oberhand über die Angst.

Vorsichtig schob ich die Tür auf. Ich erinnere mich noch genau, wie seltsam mir das Gefühl von Holz unter meinen nackten Füßen vorkam. Als ich auf einer der letzten Stufen stand, konnte ich durch Ritze Licht erkennen… Ich musste all meine Kraft aufbringen, um die Luke im Boden zu öffnen, und ein staubiger Teppich rutschte hinunter. Beinahe wäre ich die Stufen hinab gefallen, so grell war das Licht für meine Augen. Und sie schmerzten auch noch nach langer Zeit… Doch was ich da sah war für mich unbegreiflich… Die ganze Hütte war verwüstet, alles lag durcheinander auf dem Boden. Die Tür stand weit auf – so konnte die Sonne hineinscheinen. Und dann sah ich ihn… Dort lag er… das Gesicht zu einer Grimasse verzerrt, in seinem eigenen Blut. Der Gestank seines verwesenden Leichnams nahm ich nicht wahr, denn schließlich stank es dort wo ich mich aufgehalten hatte viel schlimmer. Was ich in diesem Moment empfand? Es ist schwer in Worte zu fassen… Es war kein Hass, kein Mitleid… es war eher eine Art Gleichgültigkeit… Ja, es war mir egal. Ich hatte Hunger, aber hier Oben fand ich nichts zu essen… also zog ich mich zurück an den einzigen Ort, den ich kannte – der Ort der mein ganzes Leben lang mein Gefängnis gewesen war und der mir dennoch Zuflucht bot.

Als mich der noch immer ungestillte Hunger dann ein erneutes Mal hinaustrieb, war es dunkel draußen. Die Tür stand noch weit offen, und ein zarter Lufthauch strich mir über die Wange… Wenn ich überleben wollte, dann musste ich mich überwinden. Entweder verließ ich diesen Ort, oder ich konnte mich gleich zu ihm auf den Boden legen…
DAS war wahrscheinlich der entscheidende Gedanke… Ich stand im Rahmen der Tür, so viele neue Eindrücke überwältigten mich – Gerüche, Gefühle, Bilder…

Ich weiß nicht warum, aber plötzlich rannte ich los… Ich rannte als ob es um mein Leben ginge, und jedes fremde Geräusch ließ mich noch schneller laufen. Ich hielt keinen Moment inne, bis ich plötzlich über etwas stolperte und zu Boden stürzte. Voller Panik robbte ich weiter, bis ich keuchend auf einer Steinplatte zu mir kam… Und dann tat ich etwas, was ich all den Jahren der Resignation vergessen hatte – ich weinte. Und meine Tränen vielen auf den kalten Stein. Mein Kopf war frei in diesem Moment. Frei von Gedanken, frei von Gefühlen... Lange lag ich da, bis ich wieder einigermaßen zu Atem kam.
Erst jetzt sah ich die vielen Knochen, die auf der Steinplatte lagen. Ich hob meinen Kopf und sah nach Oben. Dort stand eine schlanke Statue mit einem schmalen Schädel. Darunter ein Schild in das Zeichen geprägt waren, welche ich nicht entziffern konnte: >>Grenth – Herr des Todes und des Eises<<. Zu diesem Zeitpunkt war mir nicht klar, dass ich zu den Füßen einer Gottheit lag. Ich wusste nichts über diese Welt, und mir war die Bedeutung dieses Momentes nicht bewusst.

Ich fühlte eine Anwesenheit, etwas was ich mir zu diese, nicht erklären konnte. Es war ein Kribbeln, das sich langsam in meinem ganzen Körper ausdehnte, und ich begann zu frösteln... Also beschloss ich, dass es das Beste sein würde diesen Ort zu verlassen. Als ich aufstand wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht, und sah mir die Statue noch einmal genauer an. Da war nichts. Und trotzdem hatte ich dieses merkwürdige Gefühl...
Ich war nicht weit gegangen, als mir die vielen Steine auffielen, die in gleichmäßigen Abständen aus dem Boden ragten. Auch auf ihnen konnte ich die Zeichen sehen, aber nicht verstehen. An einigen von ihnen wuchsen Blumen, deren Knospen in der Nacht geschlossen waren, an anderen standen Figuren aus Materialien, die ich nicht kannte. Ich lief weiter den Weg entlang, der sich zwischen den Steinen entla
ng schlängelte während ich die Umgebung verträumt mustere. Erst als ich wieder ein fremdes Geräusch hörte, kam ich mit den Gedanken zu mir. Es war ein Schnalzen oder Schmatzen, dessen Quelle ich nicht sehen konnte. Ich folgte also dem Geräusch, bis ich es klar und deutlich hörte... Aber ich sah noch immer nichts. Vorsichtig tastete ich mich an den großen dunklen Stein vor mir heran, und erstarrte...

Dort hinter dem Stein war die Erde aufgewühlt. Die Reste eines zerrissenen Tuches lagen um das Erdloch verstreut. Es stank! Es stank, wie es in der
Hütte des Mannes roch, als ich ihn gefunden hatte – verwesendes Fleisch. Von den Empfindungen überwältigt, hatte ich die Quelle des Geräusches ganz übersehen, doch jetzt hörte ich sie – klar und deutlich.
Vor mir stand ein Tier, es hatte seine Zähne gefletscht und die Ohren angelegt. Es knurrte mich an und ich roch an seinem Atem, dass es am Kadaver gefressen hatte...
Mein Herz schlug mir bis zum Hals, angesichts dieses Geschöpfes, das mir bis zur Hüfte reichte. Als ich langsam einen Schritt zurück wich, sprang der Wolf auf mich zu und stieß mich um – was in jenem Moment geschah, kann ich mir zwar heute erklären, doch weiß ich noch immer nicht wie ich dazu in der Lage war...


Ich lag rücklings auf dem Boden, die Augen fest zusammengekniffen. Die wenigen Sekunden, sie waren so lange. Ich fühlte die Wärme des Tieres über mir, nahm den Geruch der Pfoten war... Gleich war es wieder soweit – ich wartete auf den Schmerz.
Widerlicher Speichel spritzte mir ins Gesicht, als der Wolf laut aufheulte. Er war nicht mehr über mir, und als ich es wagte die Augen zu öffnen, sah ich ein weiteres Wesen.
Und es kämpfte gegen den Wolf. Was es war? Ich konnte es damals genauso wenig bezeichnen, wie den Wolf. Aber mir fiel auf, dass sein Gang aufrecht war, und es Hiebe mit seinen kurzen Armen austeilte...


Ein letztes Jaulen, und der Wolf sank mit blutigem Maul zu Boden. Das Wesen stand einen Augenblick lang da, als wäre es verwirrt. Dann aber drehte es sich um seine Körperachse, und schwankte auf mich zu. Erschrocken sprang ich zurück. Es war nicht schnell, dennoch kam es schnurstracks auf mich zu. Also beschloss ich wieder meine Beine in die Hand zu nehmen und zu laufen.
Schnell hatte ich den Ort, mit den seltsamen Steinen verlassen und fand mich wieder am Rande eines Waldes. Ich sah mich um – das Wesen war nicht zu sehen, ich hatte es abgehängt. Durch so viel Aufregung auf einmal war ich erschöpft. Also ließ ich mich nieder um erst einmal zu schlafen. Doch das rascheln des Grases ließ mich wieder aufspringen. Da war es wieder.
„Weg!“, rief ich, doch ohne Wirkung, denn es torkelte weiterhin auf mich zu. „Weg!“, wiederholte ich – ergebnislos. Ich sah nur eine Möglichkeit, ich flüchtete auf einen Baum. Lange harrte ich dort oben aus, doch jedes Mal, wenn ich herabsah stand es noch immer reglos unter dem Baum, in dessen Astgabel ich saß und machte keinerlei Anstalten sich wegzubewegen...


Irgendwann, ich muss wohl eingeschlafen sein, kitzelten mich die Strahlen der tiefstehenden Morgensonne im Gesicht. Mein erster verschlafener Blick fiel nach unten. Das Wesen war verschwunden. Vorsichtig glitt ich von dem niedrigen Ast herab, auf den ich vergangene Nacht geflüchtet war, und auch von hier unten war keine Spur von ihm zu sehen.

Erleichtert war ich, und achtete kaum darauf, wohin mich meine Füße trugen. Ich lief­ eine Weile einem Pfad entlang, dem ich nahe meines Baumes entdeckt hatte, doch ein lautes Plätschern, brachte mich von dem Kurs wieder ab. Ich hatte einen kleinen See mit einem Bächlein entdeckt, aus dem ich gierig trank. Das Ufer war über und über bewachsen mit hübschen roten Lilien, und man hörte das leise Zwitschern kleiner Vögel.
Nicht weit vom See fand ich etwas, das mich dazu brachte, mehrere Tage an diesem Ort zu verweilen. Auf einer kleinen Lichtung fand ich wieder eine große Statue. Sie stellte ein beflügeltes Wesen dar, das auf einem Baum saß. An den Wurzeln des Stammes lagen allerlei Dinge, kleine Tongefäße, Äpfel, Nüsse, verstreute Körner...


Ich muss mich auf das Essen gestürzt habe, wie ein verhungertes Tier. Aber ich konnte mich nicht einmal erinnern, wie lange meine letzte Mahlzeit her war…
Egal an welchen Tag ich hierher kam, die Schalen waren immer wieder gefüllt, und ich nahm alles, was ich tragen konnte mit in mein Versteck, das ich mir im Schilf am Ufer des Sees gemacht hatte. Von den Vorräten konnte ich fiele Tage leben, und es vergingen mehr Nächte, als ich Finger an den Händen habe...


Doch eines Morgens, riss mich ein lautes Gekreische aus meinem Schlaf. Um mich herum fauchten und plärrten kleine Kreaturen mich an. Ihr Körper war bedeckt mit kleinen bläulich schimmernden Schuppen, und sie hatten breite, flache Füße, mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen. Sie ließen mit keine Zeit, lange nachzudenken – ich flüchtete. Rannte fort vor einer Gruppe Skalen.
Daraus machte ich mir an diesem Tag allerdings wenig, und ich beschloss zur Statue zu gehen, um mir neues zum Essen zu holen. Es war außergewöhlich Still, an diesem frühen Vormittag. Ich kniete mich auf den Sockel der Statue und begann die Schalen zu durchstöbern, dabei zerbrach ein Tongefäß und ich stopfte mir gierig dessen Inhalt in den Mund.
Ich hatte kaum heruntergeschluckt, als ich von einem großen, schwerem Tier angesprungen wurde. Erschrocken rollte ich mich auf den Rücken. Das katzenartige Tier thronte über mir, fauchte gefährlich und zuckte mit den Ohren. Bald darauf hörte ich schnelle Schritte ankommen, und nach einem hellen Pfiff, ließ der Pirscher von mit ab. An seine Stelle trat ein großer, schlanker Mann, mit schulterlangem braunem Haar. Seine starken Hände packten mich an den Armen und er zog mich auf die Knie.
„Da haben wie den Dieb!“, seine Stimme klang dumpf, hinter der Maske.
Ein zweiter kleinerer Mann trat hinter ihm hervor um mich anzusehen, und tätschelte dabei den Kopf der großen Katze.
„Was fällt dir ein diese Gaben zu plündern?“, sagte der erste, und begann mich heftig zu schütteln. „Das sind Opfer für Melandu und ihren Geschöpfen, hast du den keine Ehrfurcht? Antworte!“
„Nente“, warf der zweite Mann ein, als er mein erschrockenes, fragendes Gesicht sah. „Versteht sie uns denn?“.
Zu meiner Erleichterung hörte der Mann mit dem langen Haar auf mich zu schütteln, sein eiserner Griff um meine Oberarme wurde locker. Einen Moment hielt er inne, dann zog er die Maske vom seinem Mund. Ein stoppeliger Bart kam zum Vorschein, und er sprach nun nicht mehr so hart zu mir: „Wie ist dein Name?“
Fragend sah ich von einem der Männer zum anderen. Er wiederholte seinen Satz, doch da ich nur mit einem Kopfschütteln antwortete erhob er sich.
Unbehaglich war mir, als sie mich musterten, wie ich mit meinen Fetzen am Körper, die kaum die nackte Haut bedeckten, am Boden kniete, und sie misstrauisch mustere.
„Sieh sie dir nur an!“, sagte der kleinere. „Sie sieht aus wie ein geschundener Esel... Sie hat die Gaben Melandrus nicht gestohlen – sie hatte Hunger.“
„Ich glaube du hast recht mein Freund. Sie sieht nicht aus, als wäre es ihr gut ergangen.“, sagte er mich einem Blich auf mein dreckiges, verfilztes Haar und die blasse vernarbte Haut an meinem Körper. Und er fügte hinzu: „Lass’ sie uns ins Abtei bringen, dort wird man sich um sie kümmern.“


„Bruder Mhenlo, zwei Waldläufer sind angekommen. Sie haben ein Mädchen in ihrer Obhut... Sie sieht schrecklich aus.“
„Was fehlt ihr?“
„Ich, ich weiß es nicht... Etwas seltsames ist an ihr. Einer der Waldläufer leidet an einer Krankheit, ich habe ihn zu einer Heilmönchin geschickt.“
„Sehr gut, bringt das Mädchen herein!“
So gut ich konnte, hatte ich mich gewehrt. Gebissen, gekratzt, getreten, ich hatte alles versucht um nicht wieder in einen Raum zu kommen. Nicht erneut Qualen zu erleiden, nicht wieder gefangen zu sein...
Doch die beiden Wachen waren stärker gewesen. Sie hatten genug Kraft meine schwachen Glieder so zu halten, das es mir unmöglich war mich weiter zur Wehr zu setzen. Zu schwach war ich damals, zu unerfahren...
Sie brachten mich zu einem Mann, der in grauen, edlen Gewändern gekleidet war. Sein Gesicht lag in Falten, wogegen seine kahle, glatte Glatze einen grotesken Gegensatz bildete. Mit einem strengen Blick mahnte er die Wachen, die mich augenblicklich losließen, und ich wimmert zu Boden glitt.
Ich sah die ledernen, bestickten Sandalen auf mich zukommen, sah wie der Stoff seiner Roben auf den Boden fiel, als er sich zu mit hinkniete. Einen Moment schien er mich zu mustern – ich sah ihn nicht an. Dann berührte er sacht meinen Arm.
Es war als würde er mich verbrennen. Ich wollte schreien, doch in all den Jahren der Qualen hatte ich gelernt den Drang in mir zu unterdrücken. Mit aufgerissenen Augen starrte ich ihn an – der Moment schien so lange zu dauern, obwohl er die Hand augenblicklich weggezogen hatte. Es war als hätte er mir einen Blitzschlag versetzt. Er stand auf, ging erschrocken einen Schritt zurück und starrte mich an. Ich kauerte schwer atmend auf den steinernen Boden, er hatte meinen stummen Schrei verstanden. Plötzlich brach er die Stille: „Bringt sie zu Munne! Ich möchte ihr nicht noch ein Leid zufügen...“
Die beiden Wachen traten wieder zu mir heran, zogen mich vom Boden hoch und brachten mich zum Ausgang. Bevor wir den Raum verlassen hatten, hörte ich den Mönch noch Murmeln: „...eine Berührte...“.


„Munne!“, brüllte einer der Wachen durch den Eingangsraum der Katakomben. Die Wände warfen seine Stimme mehrmals zurück, und ich zuckte zusammen.
„Ich bin hier, was wollt ihr?“
Eine kleine schlanke Frau kam die breite Treppe der zum Eingang führte herauf. Ihr schwarzes Haar hatte sie links und rechts vom Kopf zusammengebunden.
„Wir haben hier jemand für Euch.“, antwortete der Krieger.
Sie warf einen flüchtigen Blick auf mich und meinte im Vorbeigehen: „Ich sagte doch bereits, das ich derzeit keinen Schüler mehr dazu nehme.“
„Nun“, entgegnete der Krieger „vielleicht schaut Ihr sie zunächst an...“. Er packte mein Kinn und bog meinen Kopf in ihre Richtung.
Wie versteinert blieb sie stehen. Stierte in meine Augen, als wollte sie dahinter sehen. Dann sprach sie heiser: „Gut das ihr sie hergebracht habt bevor sie Schaden anrichten kann... Ihr könnt gehen!“
Die beiden Männer ließen mich los, und ich stand der Frau gegenüber. Sie sagte kein Wort, sondern starrte mich nur an. Erst als die Schritte der beiden Krieger verhallt waren fragte sie mich: „Wie ist dein Name, Kind?“
Als ich mit einem vorsichtigen Kopfschütteln antwortete sprach sie: „Nun gut, ich werde schon einen Namen für dich finden. Komm, folge mir!“

An die darauf folgende Prozedur kann ich mich noch genau erinnern. Bedienstete schoren mir mein verdrecktes Haar bis auf den Kopf ab, schnitten mir die Nägel und badeten mich in einem riesigen Bottich mit lauem Wasser. Die Kleidung, die man mir damals gab, bezeichnete mich offiziell als Schülerin der Nekromantin Munne. Die erste Zeit verbrachte ich Oben, wo man mich Lesen, Schreiben und andere allgemein bildende Dinge lernte. Munne sah ich damals selten. Ab und an kam sie vorbei, um sich nach meinen Fortschritten zu erkundigen, doch sprach sie nie ein Wort mit mir...

Es wurde Sommer, es wurde Herbst, es wurde Winter... und es wurde wieder Frühling. Es war früh morgens. Ich war gerade eben erst aufstanden, als eine der Dienstmädchen in das Schülergemach kam und mich aufrief meine Kleidung zu packen, und ihr zu folgen. Ich tat wie mir geheißen wurde, denn in dem Jahr der Grundausbildung lernte ich auch Gehorsam.
Sie führte mich viele Stufen herab. Und gingen lange Gänge entlang, die durch Fackeln und Kerzen erhellt wurden. Bis wir schließlich an eine Tür kamen, welches sie mir als mein Gemach vorstellte. Als ich meine Sachen in den kleinen Raum mit einem Bett, Tisch und Stuhl abgelegt hatte, ging es weiter. Wir kamen in einer großen Halle an, in der das Licht der Fackeln nicht bis zur Decke reichte. Die Nekromantin Munne stand vor mir, das Dienstmädchen war schon verschwunden gewesen.
Ich erinnere mich so genau an ihre Worte…
„Amanzia!“, sagte sie mit lauter Stimme, und sah mir dabei fest in die Augen. „Ich beginne mit deiner Ausbildung. Heute ist der Tag deiner Geburt. Die Geburt eines Lebens das dem Tod geweiht ist. Ein Leben als Nekromantin...“.
Über die darauf folgenden Rituale darf ich nicht sprechen, denn sie waren Grenth geweiht und ein intimer Moment zwischen einer Gottheit und seinem Diener. Ich habe diesen Weg nicht gewählt, ich wurde gewählt – in jener Nacht als ich gebrochen, verbittert und allein zu den Füßen dieser Statue kauerte legte er seine Hand über mich. Er füllte die Leere, und gab meinem Leben einen Sinn – ein Leben als Dienerin Grenths.
Sieben weitere Jahre verbrachte ich in den Katakomben. Sieben lange Jahre in einer erbarmungslosen Ausbildung, unter der harten Hand Munnes... Sieben Jahre in dem ich kaum das Licht der Sonne sah oder klare Luft atmete...
Die Katakomben waren mein Zuhause geworden. Niemals hätte ich sie verlassen wollen. Aber ich musste es dennoch...
Als die Charinvasion Ascalon verwüstete, betraf dies nicht nur die große Handelsmetropole, sondern das ganze Reich. Dies war nicht nur der Wendepunkt Ascalons, sondern auch meiner. Die Katakomben waren nun nicht mehr als Ruinen. Viele Tausend Wesen verloren ihr Leben. Hier gab es nichts mehr für mich. Keine Heimat, und Freunde hatte ich nie besessen.

In jenem Jahr verließ ich Alt-Ascalon – wie man es heute bezeichnet – und machte mich auf nach Löwenstein. Und nun? Nun bin ich hier...
Und ihr fragt mich nach meinen Namen? Ich habe Lich bezwungen, Shiro Tagachi verbannt und war Abbadons Schicksal... Ihr fragt nach meinen Namen...?
Mein Name ist nicht von Bedeutung für Euch!


 






Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von Sir Stene, 17.11.2008 um 19:52 (UTC):
sehr sehr schön...
ch beginne mit deiner Ausbildung. Heute ist der Tag deiner Geburt. Die Geburt eines Lebens das dem Tod geweiht ist. Ein Leben als Nekromantin...“.

gruss -7-

Kommentar von Eleonra Dscherid, 06.09.2008 um 17:45 (UTC):
Moin,

eine wirklich beeindruckende Geschichte und sehr spannend geschrieben!

Glückwunsch dazu.

lG
Elo



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