An deiner Seite
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In Anlehnung an meine FF
"Im Schatten eines großen Namen" oder Severus‘ Verlust - einer der wichtigsten Menschen seines Lebens: seine beste Freundin Gwendolyn.
***


Wenige Augenblicke nachdem Voldemort den Raum verlassen hatte, fiel auch der Lähmzauber von Severus. Er wusste nicht, wer von den Todessern ihn gesprochen hatte, doch das war ihm nun auch egal. Ohne die dicke Staubschicht von seinen Kleidern zu klopfen, die ihn die ganze Zeit wie eine Statue aussehen ließ, stolperte er vorwärts, bis er Gwendolyn erreicht hatte.
Er zog sich, ohne ein Zögern, seinen eigenen Umhang von den Schultern, um ihren bloßen Körper damit zu bedecken, und bemerkte dabei gar nicht, wie sehr er zitterte.
Sie zuckte erschrocken vor seiner Berührung zurück und er ließ sich auf die Knie sinken, ohne die steinernen Trümmer zu registrieren, die sich in sein Fleisch bohrten.
„Gwendolyn?“, flüsterte er.

Bleib still liegen, mein Herz.
erschreck dich nicht.
Ich bin ein Freund, der zu dir spricht.

Sie entspannte sich ein wenig, als sie seine Stimme erkannte, doch ihr Anblick trieb ihm Tränen in die Augen. Wie oft hatte er Gwendolyn gewarnt? Hatte ihr klar machen wollen, sich nicht mit dem Dunklen Lord anzulegen.
 
Ich hab gewartet und gehofft,
dass der Moment vielleicht niemals kommt,
dass er einfach vorüber geht
oder vielleicht niemals geschieht!

Er wischte sich unauffällig mit dem Ärmel über das Gesicht und versuchte, das Erlebte zu verdrängen. Er musste jetzt einen klaren Kopf behalten. Er musste ihr jetzt helfen. Gwendolyn brauchte ihn!
„Schhhhh. Schon gut. Alles wird gut.“ Er sagte die Worte, während er seinen Umhang vorsichtig um ihren Körper legte, ohne sie selbst zu glauben und ohne den Stich in seiner Brust zu beachten.
„Ssssev... ich... ich bekomme kaum Luft...“ Ihr Atem war flach und das Luftholen schien sie ungemein anzustrengen.
Severus schnürte es die Kehle zu und er unterdrückte erneut die Tränen, die aufsteigen wollten. Seine Hände zitterten so heftig, dass er kaum ihren Puls ertasten konnte und mit Entsetzten stellte er fest, dass ihr Körper immer mehr verkrampfte, ohne dass Gwendolyn dagegenwirken konnte.
Gwendolyn keuchte gequält und Severus wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er zitterte nun fast ebenso hemmungslos wie seine Freundin und ein dicker Kloß war in seinem Hals. Die Tränen, die ihm die Wangen hinabliefen, ignorierte er. Sein Herz klopfte so heftig, dass er sich kaum konzentrieren konnte. Doch er musste sich sammeln! Er musste versuchen, einen klaren Kopf zu bewahren.
Seine Augen weiteten sich erschrocken, als Gwendolyns Körper sich so sehr verkrampfte, dass es sie hin und her schüttelte. Ihre Hände waren so fest zu Fäusten geballt, dass es ihm nicht möglich war, sie zu ergreifen. Und da gestand er sich ein, dass er ihr nicht mehr helfen konnte.
„Es ist zu spät.“ Ihre Stimme klang seltsam nüchtern und gefasst, doch sie machte eine kurze Pause, da ihr das Sprechen sichtlich schwer fiel. „Ich, ... ich sterbe...“

Du kamst zu mir, vor jedem allerersten Ton,
Als das Zeitglas unerschöpflich schien.
Du hast gelebt in jedem Sturm mit mir gekämpft,
nie etwas verlangt, nur gegeben und geschenkt.
Hast mir gezeigt, was wirklich wichtig ist.
Hast ein Lächeln gezaubert mit deinem stillen Blick,
ohne jedes Wort, doch voll von Liebe und Leben.
Hast so viel von dir an mich gegeben.

Severus‘ Tränen fielen hinab auf seinen Umhang, den er um Gwendolyn gewickelt hatte.
Sie atmete schwer, doch ihre halbgeöffneten Augen sahen ihn an und er verstand. Es fühlte sich an, als würde ihm jemand bei lebendigem Leibe das Herz aus der Brust reißen. Es fühlte sich fast genauso an wie damals, als er begriffen hatte, dass er Lily Evans für immer verloren hatte.
Widerwillig ließ er sich neben seiner Freundin auf den Boden sinken, drückte ihren Kopf an seine Brust, küsste zärtlich ihr Haar und wiegte sie sanft, um sie zu beruhigen. Seine stillen Tränen benetzten ihr goldenes Haar und sie keuchte nach Luft, als ein erneuter Krampf ihren Körper erzittern ließ.
Ohne zu sehen, starrte Severus vor sich. Er war von einer so tiefen Traurigkeit ergriffen, dass es ihn körperlich schmerzte und doch konnte er noch immer nicht alles wahrhaben.
Er hielt Gwendolyn fest umklammert, ohne zu begreifen, was geschehen war. Es war alles so schnell gegangen. Seit dem ganzen schrecklichen Szenario war noch nicht einmal eine Stunde vergangen und doch fühlte es sich bereits an, als würde das alles in weiter Ferne liegen. Als wäre alles nur ein schlimmer Traum gewesen und er würde gleich in seinem Bett im Gemeinschaftsraum aufwachen und feststellen, dass er nur schlecht geschlafen hatte.
Severus schauderte, sein Magen zog sich zusammen. Wie sehr er sich wünschte, noch einmal von vorne beginnen zu können. Wie sehr er sich wünschte, alles noch einmal anders zu machen. Richtig zu machen.
Er schniefte.Ich schau zurück auf eine wunderschöne Zeit.

Warst die Zuflucht und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft und jeden Moment mit mir geteilt,
ich bin stolz, auch jetzt an deiner Seite zu sein

„Du - bist ein - wahrer Freund, Severus! Ich liebe dich!“ Mit der letzten Kraft hob Gwendolyn ihren Arm, und streifte seine Wange, bevor sich ihr Körper wieder verkrampfte und ihre Glieder durchschüttelte.
Severus schluchzte in ihr Haar und schloss gequält die Augen. Das musste sein Herz zerreißen. Einen solchen Schmerz konnte kein Mensch verkraften. Jeden Moment musste es passieren. Die Tränen drückten sich zwischen seinen Wimpern hindurch und er merkte, wie auch sein Körper von dem Weinkrampf geschüttelt wurde.
Gwendolyn entspannte sich wieder und Severus hielt kurz den Atem an, doch nach wenigen Sekunden schnappte seine Freundin nach Luft und atmete weiter.
„Wenn ich dir nur helfen könnte... Wenn ich nur etwas für dich tun könnte, Gwen...“
„Ja...“ Ihre Antwort kam so prompt und in ihr lag so viel Sehnsucht, dass es Severus schauderte. „Lass mich nicht weiter leiden!“
Das Blut schien in seinen Adern zu gefrieren.
„Das -“ Er sah schockiert auf sie herab.
Durch die schmalen Schlitze ihrer Lider konnte er ihre ozeanblauen Augen erkennen.
„Das kannst du nicht von mir verlangen!“ Es war kein Widerspruch in seiner Stimme zu hören - es war ein Flehen.
„Nein. Ich verlange es nicht.“ Ihre blutigen Mundwinkel zuckten grotesk, als sie versuchte zu lächeln. „Ich bin... froh, dass du an meiner Seite bist...“ Sie schloss die Augen und einen Moment lang sah sie friedlich aus, als würde sie schlafen.
Doch dann wurde ihr Körper erneut von einem so heftigen Krampf geschüttelt, dass sich ihr Gesicht schmerzlich verzerrte und Severus alle Haare zu Berge stehen ließ. Sie schnappte nach Luft und wand sich unter Schmerzen.
Ich fange ein Bild von dir
und schließ‘ die Augen zu.
Dann sind die Räume nicht mehr leer.
Lass alles andere einfach ruhen.

Severus Gedanken drifteten ab zum Weihnachtball in ihrem siebten, und letzten, Schuljahr. Warum dachte er gerade jetzt daran?
Gwendolyn war damals frisch verliebt gewesen und er hatte – wenn auch ungern - akzeptiert, dass sie diesen Abend allein Sirius widmen wollte.
Während Gwen auf Wolke Sieben geschwebt hatte, war er selbst in ein tiefes Lock gefallen, denn es war auch der erste Abend gewesen, in der Lily offiziell mit Potter ausging.
Die Erinnerung stach wie ein Nadelstich in seine Brust.
Severus saß also mit seinen Slytherinfreunden an einem der Tische und starrte auf die Tanzfläche, auf der die Liebespaare aktiv waren und wo auch Gwendolyn sich amüsierte.
Seiner Freundin jedoch war sein Trübsinn nicht entgangen. Ihre Blicke waren sich begegnet – nur einen winzigen Moment lang, bevor sie und Sirius wieder in der Masse der Schüler verschwanden – und er hatte sich zu einem Lächeln gezwungen, er wollte Gwendolyn schließlich nicht den Abend verderben.
Doch Severus konnte seine Freundin nicht täuschen. Er mochte seinen Lehrern etwas vormachen, in naher Zukunft sogar den Dunklen Lord blenden, doch Gwendolyn konnte er nicht täuschen.
Die Blicke von Evan und den anderen waren überrascht gewesen, als Gwendolyn vor ihnen stand – in ihrem fabelhaften, dunkelblauen Festumhang, der ihre Augen betonte, und Severus zum Tanz aufforderte.
Er hatte abgelehnt, hatte sie sogar zurück zu Sirius schicken wollen, doch Gwendolyn war hartnäckig geblieben und zog ihn auf die Tanzfläche.
Severus mochte Tanzen nicht, doch er beherrschte es. Beherrschte es, wie alle Dinge, die er können wollte – ganz im Gegensatz zu Gwendolyn. Seine ehrgeizige Freundin wäre nie in den Sinn gekommen, Zeit für etwas so sinnloses zu verschwenden wie Tanzen. So stolperten sie häufig über ihre Füße, rempelten andere an und lachten bald darauf so laut, dass sich nicht wenige nach ihnen umdrehten, und unter ihnen war auch Lily. Schon bald konnte er sich nicht mehr gegen Gwendolyns Frohmut wehren. Ihr Lachen und ihr albernes Gekicher steckten ihn an. Ließen ihn die finsteren Gedanken vergessen und gaben dem tristen Abend eine glückliche Wende.

An jenem Abend war er wieder daran erinnert worden… Gwendolyn hatte ihm gezeigt, was wirklich wichtig war: Freundschaft.
Sie war weit mehr wert als die Liebe, denn sie war frei und ohne Verpflichtungen, doch Severus und Gwendolyn waren mehr als bloße Freunde gewesen. Sie waren wie Seelenverwandte.

Ich fange ein Bild von dir
und dieser eine Augenblick,
bleibt mein gedanklicher Besitz,
den kriegt der Himmel nicht zurück!

Severus hielt sie fest in seinen Armen und als sie sich wieder gefangen hatte, wiegte er sie erneut zur Beruhigung, während ihm weiterhin die Tränen die Wangen hinab liefen. Einige Minuten verharrte er so. Einen kurzen Moment, in dem ihm so viele Dinge durch den Kopf gingen. So viele Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit. An die Höhen und Tiefen.
Er erinnerte sich an Gwendolyns Lachen, an ihre Herzlichkeit und die eiserne Treue, mit der sie ihm beinahe zehn Jahre ohne Abstriche begleitet hatte. An ihren Trost und ihren Humor. An ihr Temperament und die Tatsache, dass sie der einzige Mensch war, der ihn je vollkommen akzeptiert hatte. Sowie er war und mit all seinen Entscheidungen. Mit Gwendolyn ging ihm nicht nur die beste Freundin verloren. Mit Gwendolyn ging einer der besten Menschen verloren, die er je gekannt hatte. Und genau das tat unheimlich weh.

Ich schau zurück auf eine wunderschöne Zeit.
Warst die Zuflucht und die Wiege meines Seins.
Hast gekämpft und jeden Moment mit mir geteilt,
ich bin stolz, auch jetzt an deiner Seite zu sein

Nie wieder sollte er für einen Menschen eine so aufrichtige und selbstlose Zuneigung empfinden. Er hatte Gwendolyn geliebt – wie eine Schwester, wie eine Mutter, wie eine Freundin…
Er konnte auf eine schöne Zeit zurückblicken. Eine Zeit, in der Gwen ihm Zuflucht geboten hatte, in einem Leben, das nie vom Glück durchtränkt worden war. Doch Gwendolyn hatte etwas für ihn aufleuchten lassen. Wie ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Mit nicht mehr als einem Lächeln oder einem stillen Blick aus diesen tiefgründigen, blauen Augen. Sie hatte ihm viel gegeben und er war stolz darauf, Gwendolyn gekannt zu haben, vielleicht als einziger, und er war stolz darauf, jetzt an ihrer Seite zu sein!

Ich fange ein Bild von dir.

Einige Minuten vergingen, bis er wieder in der Lage war zu sprechen und er brachte die Worte nur schweren Herzens über die Lippen: „Ich danke dir für alles Gwen.“ Tränen kullerten aus seinen Augen und machten ihn blind für diese Welt, doch er brauchte sie nicht weiter zu sehen. „Danke!“

Ich lass dich gehen und wünsch dir alles Glück der Welt.
In diesem Augenblick bist du das Einzige, was zählt!
Lass dich fallen und schlaf ganz einfach ein!
Ich werd für immer an deiner Seite sein!


Grünes Licht flackerte auf und der Körper seiner Freundin sank leblos in seine Arme. Er ließ den Zauberstab hinter ihren Rücken zu Boden fallen, drückte den toten Körper an sich und weinte bitterlich. Weinte so sehr, wie er noch nie um einen Menschen geweint hatte.








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